Wie Du Deinen Gesang in professioneller Qualität zu Hause aufnehmen kannst – Teil 1

Dieser Beitrag ist in erster Linie für alle Sängerinnen und Sänger interessant, die ihren Gesang zu Hause in professioneller Qualität aufnehmen möchten.

Ich werde dabei betrachten, was hinsichtlich der technischen und der akustischen Gegebenheiten zu beachten ist, um bestmögliche Ergebnisse in der heimischen Umgebung zu erzielen. Außerdem stelle ich die Vor- und Nachteile des Home-Recordings gegenüber.

Wenn Du also aktuell mit dem Gedanken spielst, Deine Gesangsaufnahmen zukünftig in Deinen eigenen vier Wänden aufzunehmen, Dir aber das notwendige Know-how dafür fehlt, dann ist dieser Beitrag genau der richtige für Dich.

Zunächst einmal möchte ich konkret Stellung dazu beziehen, welche Vorteile es meines Erachtens mit sich bringt, als Sänger bzw. Sängerin den eigenen Gesang zu Hause aufzunehmen. Aber auch die Nachteile sollen nicht unerwähnt bleiben.

In erster Linie ist es ein Kostenfaktor, ob man regelmäßig ein professionelles Tonstudio mietet, um dort Gesänge aufzunehmen oder einmalig in die technische Ausstattung investiert, um dann jederzeit von daheim aus Aufnahmen machen zu können.

In der Regel wird das Buchen eines Tonstudios deutlich teurer sein als die einmalige Investition in das notwendige Equipment für ein Home-Recording. Man muss allerdings bedenken, dass es hierbei auf die Häufigkeit ankommt.
Wer nur selten professionelle Gesangsaufnahmen machen möchte, der wird mit einem gelegentlichen Tonstudiobesuch sehr wahrscheinlich bessere und günstigere Ergebnisse erzielen, als jemand, der sich komplett für ein Home-Recording ausstattet, dieses dann aber letztlich so gut wie nie für Aufnahmen nutzt.

Zu Beginn sollte man sich also die Frage stellen, wie oft und wie regelmäßig man seinen Gesang in guter Qualität aufnehmen möchte oder muss. Reichen eine oder zwei professionelle Aufnahmen pro Jahr aus, dann kann es sinnvoller sein, hierfür ein Tonstudio zu buchen.

Ab drei und mehr hochwertigen Aufnahmen im Jahr sollte über eine Lösung des Home-Recordings nachgedacht werden. Zumindest wenn es um den Faktor Kosten geht.

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass eine Investition in eine heimische Aufnahmemöglichkeit absolut sinnvoll sein kann. In der Regel aber nur dann, wenn diese auch tatsächlich regelmäßig genutzt wird.

Hiermit möchte ich zu einem Nachteil kommen, der sich insbesondere an all jene Sängerinnen und Sänger richtet, die bisher noch keine oder kaum Erfahrungen mit dem Aufnehmen der eigenen Stimme gesammelt haben.
Wie wir später in diesem Beitrag noch sehen werden, gilt es mehr zu beachten, als nur in die technische Ausstattung für das Home-Recording zu investieren.

Zusätzlich ist es nämlich unerlässlich, dass man sich ein Basiswissen über den Aufnahmeprozess an sich aneignet. Sprich, die rudimentäre Bedienung einer Aufnahmesoftware, das Verständnis für die Handhabung eines Audio-Interfaces und der Umgang mit dem Mikrofon und dessen Zubehör.

Es sollte einem bewusst sein, dass es etwas Zeit und Mühen erfordert, sich mit all diesen Punkten vertraut zu machen. Wer diese Zeit und Energie nicht aufbringen kann oder will, der sollte lieber in ein Tonstudio gehen und diese Arbeiten dort dem Fachpersonal überlassen.

Auf all diese wichtigen Aspekte werde ich später aber noch detaillierter eingehen.

Wenn man sich jedoch für die Investition und den Aufbau einer heimischen Aufnahmemöglichkeit entschieden hat, stellt sich erstmal die Frage, was für Technik und Equipment hierfür vonnöten ist.
Kommen wir daher zur technischen Grundausstattung:

1. Das Mikrofon

Als erstes wird ein Mikrofon benötigt. Meiner Meinung nach sollte besonderes Augenmerk auf diesen Aspekt gelegt werden, denn für einen Sänger- oder eine Sängerin ist das Mikrofon essentiell, wenn es um Liveauftritte oder Tonaufnahmen geht.

In diesem Beitrag möchte ich mich ausschließlich auf jene Modelle und Kriterien beschränken, die für professionelle Aufnahmen relevant sind. Wenn es um Mikrofone für Liveauftritte geht, sind ganz andere Eigenschaften und Merkmale entscheidend, die uns heute nicht weiter interessieren sollen.

Zunächst gilt als grobe und bewährte Faustregel, dass man für Gesangsaufnahmen mit einem sogenannten Großmembran-Kondensatormikrofon grundsätzlich nichts falsch machen kann.

Natürlich gibt es viele verschiedene Mikrofontypen und auch mehrere davon sind für Aufnahmen von Stimmen durchaus geeignet. Mit einem Großmembran-Kondensatormikrofon hat man allerdings einen perfekten Allrounder, der einem bei allen Formen der Stimm- und Gesangsaufnahmen gute Dienste leistet.

Wer sich mit Mikrofonen und deren Preisen beschäftigt, wird relativ schnell bemerken, dass man sich hier in einem preislichen Spektrum von ca. 100 bis etwa 6.000 Euro bewegt – je nach Modell und Ausstattung.
Als Anfänger stellt sich nun die entscheidende Frage, wieviel Geld man für das richtige Mikrofon ausgeben sollte.

Vorweg muss ich hierzu eines sagen: Wer es sich finanziell erlauben kann, beispielsweise ein Neumann U87 im Wert von etwa 2.500 Euro zu kaufen, wird zweifelsohne eine gute Investition fürs Leben tätigen. Ein Neumann U87 gilt als eines der Mikrofone im Premiumbereich, das stets eine gute Wahl für edel klingende Gesangsaufnahmen ist und auf unzähligen Platten und Songs zum Aufnehmen der Stimmen verwendet wurde und auch heute noch wird.

Andererseits muss man ehrlicherweise sagen, dass ein Mikrofon wie das Neumann U87 keinesfalls notwendig ist, um in den Genuss einer hochwertig klingenden Gesangsaufnahme zu gelangen.
Man kann definitiv auch mit einem deutlich kleineren Budget auf Mikrofone zurückgreifen, die zwar preiswerter, aber keinesfalls schlecht sind. Ich persönlich würde allerdings empfehlen, dass man sich bei etwas ernsthafteren Ambitionen an Mikrofonen orientiert, die mindestens mit einem Preis von etwa 200 Euro beginnen.

Günstigere Gesangsmikrofone haben meiner Erfahrung nach oft den Nachteil, dass die Höhen bei vielen Stimmen zu überbetont werden und im Bassbereich oftmals die Fülle fehlt. Insbesondere weibliche Stimmen können dadurch etwas zu „dünn“ und „spitz“ in den oberen Frequenzen klingen.

Allerdings gibt es noch einen Faktor, der meines Erachtens sehr entscheidend ist: Es spielt nämlich eine große Rolle, wie gut ein bestimmtes Mikrofon mit einer bestimmten Stimme harmoniert. Das bedeutet, dass nicht jede Stimme über ein und dasselbe Mikrofonmodell einen gleich guten oder schlechten Sound abliefern muss.

Eine tiefe und bassbetonte männliche Stimme kann beispielsweise über ein Mikrofon sehr gut klingen, das bewusst eine leichte Anhebung der hohen Frequenzen vornimmt. Hierdurch kann genau diese männliche Stimme etwas präsenter wirken und sich somit in einem Mix besser durchsetzen.

Für eine von Natur aus hohe weibliche Stimme kann dieses Mikrofon völlig ungeeignet sein. Die Höhen würden hier aller Voraussicht nach überbetont werden. Dies kann zu einem sehr aufdringlichen und für den Hörer relativ anstrengenden Klangbild führen.

Ich würde dazu raten, vor dem Kauf eines bestimmten Mikrofons zu testen, wie verschiedene Modelle unterschiedlicher Preisklassen in Kombination mit der eigenen Stimme klingen. Sofern man die Möglichkeit dazu haben sollte, würde ich absolut empfehlen, sich hierbei etwas Zeit für verschiedene Vergleiche zu nehmen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass man das perfekte Mikrofon für eine bestimmte Stimme nicht zwingend am Preis des jeweiligen Modells festmachen kann. Wer allerdings ein entsprechendes Budget zur Verfügung hat, wird mit einem Gesangsmikrofon im Wert von etwa 400 bis 800 Euro absolut nichts falsch machen und in etwas investieren, das in jeder Situation professionellen Ansprüchen gerecht werden kann.

Alles ab etwa 1.000 Euro würde ich zum Premiumbereich zählen. Man darf jedoch nicht den Fehler machen und erwarten, dass der Klang dieser Modelle automatisch in gleichem Verhältnis zum Preis ansteigt. Man sollte also nicht denken, dass ein Mikrofon im Wert von beispielsweise 4000 Euro doppelt so gut wie ein Modell im Wert von 2000 Euro klingt.
Je höher der Preis des Mikrofons, desto marginaler werden die klanglichen Unterschiede dieser hochpreisigen Modelle im Vergleich zueinander.

Hier sind letztlich mehr die persönlichen Vorlieben entscheidend. Der eine möchte, dass seine Stimme so natürlich und authentisch wie möglich klingen soll. Der andere legt Wert auf einen runden und warmen Sound des Mikrofons, um seine Stimme bewusst in eine bestimmte Richtung zu formen. Zum Beispiel, wenn diese Stimme von Natur aus eher hoch und relativ „dünn“ klingt.

Bei preiswerteren Modellen würde ich in jedem Fall zu einem Vergleichstests raten, um festzustellen, welches der Mikrofone mit der eigenen Stimme am besten harmoniert.

Das waren nun die wichtigsten Punkte, die man meiner Meinung nach bei der Auswahl und dem Kauf des richtigen Gesangsmikrofons beachten sollte. Im nächsten Teil dieses Beitrags werde ich dann genauer betrachten, welche weitere Grundausstattung für eine professionelle Heimaufnahme von Gesängen benötigt wird.

Ich hoffe, dass dieser erste Beitragsteil Dir dabei hilft, etwas mehr Klarheit in diesem umfangreichen Thema zu bekommen. Hast Du eventuell Fragen zur Auswahl des richtigen Mikrofons für Deine Stimme oder zu einem anderen Aspekt dieses Themas, dann kontaktiere mich gerne und wir schauen gemeinsam, wie ich Dir dabei helfen kann.