Wie Du Deinen Gesang in professioneller Qualität zu Hause aufnehmen kannst – Teil 4

Im finalen Teil dieser Beitragsserie möchte ich Dir abschließende Tipps und Möglichkeiten aufzeigen, wie Du die akustischen Gegebenheiten in Deinem Zuhause für ein Home-Recording optimieren kannst.

Als Grundlage für diese Betrachtungen möchte ich zunächst einmal mit einem weit verbreiteten Irrglauben aufräumen, der sich hartnäckig beim Thema Heimaufnahmen von Gesängen etabliert hat. 

Und zwar geht es hierbei um die akustische Beschaffenheit der Räume, in denen Sänger-und Sängerinnen aufgenommen werden sollen. Eventuell hast Du auch schon einmal die klassische „Do-It-Yourself“ Gesangskabine gesehen, bei der ein winziges Zimmer komplett mit Schaumstoff oder gar mit leeren Eierkartons ausgekleidet wurde.

Leider wird hier oftmals angenommen, dass eine möglichst kleine und akustisch stark isolierte Räumlichkeit das Optimum für perfekte Aufnahmen wäre.

Dem ist definitiv nicht so.

Warum Gesangsaufnahmen in solchen Räumen für die meisten Anwendungen keine optimalen Ergebnisse bringen werden, möchte ich nun vereinfacht erklären.

Wenn ein Sänger-oder Sängerin anfängt zu Singen, dann entsteht Schall. Dieser Schall interagiert nun mit dem jeweiligen Raum, in dem er erzeugt wurde. Das bedeutet, dass die Schallwellen sozusagen innerhalb des Raumes hin-und herspringen und von den Wänden reflektiert werden. Nach einer bestimmten Laufzeit trifft dieser Schall auf das Mikrofon, kann somit aufgenommen und als Signal weiterverarbeitet werden.

Je stärker nun die Wände eines Zimmers mit Materialien ausgekleidet wurden, die Schall absorbieren, desto weniger kann der Schall mit dem Raum interagieren. Die Schallwellen werden also viel früher geschluckt und können sich nichtmehr so stark in dem Zimmer ausbreiten und verteilen. Schlussfolgernd bedeutet dies, dass auf dem aufgenommenen Signal weniger Anteile des Raumes zu hören sein werden. Die Gesangsaufnahme wird also etwas dumpf und höhenarm klingen und im schlimmsten Fall sogar der Eindruck entstehen, dass der Sänger-bzw. die Sängerin unter einer Decke gesungen hätte.

Es sei allerdings angemerkt, dass genau dieser „trockene“ und isolierte Sound bei Gesangsaufnahmen gewollt sein kann. In der Regel wird beispielsweise bei Rap-oder Hip-Hop darauf geachtet, dass die Aufnahmen der Stimmen möglichst direkt klingen und wenig Raumanteile darauf zu hören sein sollen. Hier ist es sinnvoll, dass der Aufnahmeraum möglichst klein gehalten und der Schall relativ stark absorbiert wird.

Geht es beispielsweise um die Gesangsaufnahme einer langsamen Ballade, dann sollte man eher schauen, dass die Stimme viel Raum zur Entfaltung bekommt und dadurch luftig und „weit“ klingt.

Was ist aber nun ein guter Mittelweg, damit Du in Deinen eigenen Räumlichkeiten einen ausbalancierten Kompromiss zwischen zu viel und zu wenig Schallabsorption finden kannst?

Hierzu möchte ich nun einige Tipps und Ratschläge aufführen, wie Du Deinen Aufnahmeraum dahingehend bestmöglich optimieren kannst.

  1. Die Wahl des richtigen Raumes

Solltest Du den Luxus genießen können und die Auswahl zwischen verschiedenen Räumen haben, in denen Du dir dein eigenes kleines Homestudio einrichten kannst, dann würde ich empfehlen, auf Folgendes zu achten:

Wähle einen Raum, der nicht zu groß aber auch nicht zu klein ist. Als Beispiele kann man hier typische Schlaf-oder Arbeitszimmer in Häusern oder Wohnungen aufführen.

Wenn Du die Möglichkeit hast, wähle außerdem Zimmer, die möglichst nicht quadratisch sind. Dachschrägen oder etwas „verschachtelte“ Räumlichkeiten sind zu bevorzugen, weil sich hier der Schall noch besser verteilen kann.

Außerdem ist es sehr wichtig, dass der definierte Raum möglichst isoliert ist von externen Schallquellen. Achte also darauf, dass Du nicht unbedingt in einem Zimmer aufnimmst, das direkt neben einer stark frequentierten Hauptverkehrsstraße liegt oder Fläche für langanhaltende Baustellen bietet. Sollte man diesen externen Straßenlärm auf Deinen Aufnahmen hören können, wären diese womöglich unbrauchbar. Im Zweifel mache in dem jeweiligen Raum also lieber eine Testaufnahme und prüfe, wie viel man hier von außen hören kann.

Ich würde allerdings dazu raten ein Zimmer mit Fenster zu wählen. Gerade bei längeren Aufnahmesessions ist es absolut sinnvoll, in kleineren Pausen immer mal wieder für frische Luftzufuhr sorgen zu können, um einer schnelleren Erschöpfung und Konzentrationsschwierigkeiten vorzubeugen.

Genau so sind andere Schallquellen im eigenen Zuhause zu bedenken und möglichst zu vermeiden. Wenn du beispielsweise mit Partner oder Familie zusammenlebst, können ein zu lauter Fernseher im benachbarten Wohnzimmer oder langanhaltende Küchengeräusche Deine Aufnahmen und auch Dich stören und ablenken. Insbesondere in Wohnungen sollten auch etwaige Nachbarn in die Planungen mit einbezogen werden.

Bedenke also bitte im Voraus, mit welchen externen Schallquellen Du Dich im jeweiligen Raum gegebenenfalls auseinandersetzen musst.

2.  Die Einrichtung des Raumes

Es sei angemerkt, dass Du mit der richtigen Auswahl von Möbeln und Einrichtungsgegenständen aus Deinem Aufnahmeraum akustisch enorm viel herausholen kannst.

Grundsätzlich gilt es hier eine gute Balance aus schallabsorbierenden und schallstreuenden Einrichtungsutensilien zu finden und diese im Zimmer optimal zu platzieren.

Insbesondere wenn dein Recordingraum gleichzeitig auch für andere Zwecke genutzt werden soll, wie z.B. als Home-Office, dann empfiehlt es sich, besonderes Augenmerk auf diesen Aspekt der Einrichtung zu legen.

Grundsätzlich gilt:

Möbel mit weichen und relativ dicken Oberflächen, wie z.B. Sofas, Betten oder Fenstervorhänge sind perfekt geeignet, um auf natürliche Weise Schall zu absorbieren.

Ich würde also generell empfehlen, dass Du in Deinem Aufnahmeraum entweder ein Bett oder noch besser, ein Sofa platzierst. Zusätzlich sind schwere Vorhänge vor dem Fenster ideal, um Lärm von außen bei Bedarf etwas zu dämmen oder, sofern nötig, das Zimmer noch etwas schallabsorbierender zu gestalten.

Weiterhin sind Möbel aus Holz immer eine hervorragende Wahl für Recordingräumlichkeiten. Holz sorgt aus akustischer Sicht für einen warmen und vollen Klang. Dies sind Eigenschaften, die besonders bei der Aufnahme von Stimmen gefragt sind. Dementsprechend sind Gesangsaufnahmen in Bädern-und Sanitärräumen absolut nicht zu empfehlen. Durch die meist gekachelten und harten Oberflächen in diesen Räumen entsteht ein blecherner, steriler und unfokussierter Klang. Für beispielsweise Schlagzeugaufnahmen kann dies reizvoll sein, für Gesänge in aller Regel nicht.

Ich persönlich würde etwas wie ein hölzernes Regal empfehlen. Gefüllt mit verschiedenen Büchern sorgt dies in Deinem Zimmer für eine Oberfläche, die durch die unebene Beschaffenheit der Bücher Schall sehr gut im Raum verteilen kann und durch das Holz auch für Wärme sorgt.

Ansonsten kann auch ein hölzerner Wandschrank oder eine größere Kommode sehr gute Dienste leisten. Hier sollte allerdings darauf geachtet werden, dass das Möbelstück nicht zu groß im Verhältnis zu dem Raum ist. In Kombination mit einem zusätzlichen Sofa und Fenstervorhängen kann dies gegebenenfalls wiederum zu einer zu intensiven Schallabsorption führen.

Zusätzlich oder alternativ habe ich selbst auch gute Ergebnisse mit gekauften Trennwänden-bzw. Raumtrennern gemacht, die ich von einer Seite mit Akustikschaumstoffen beklebt habe. Sollte Dein Zimmer also klanglich gesehen nicht optimal für Gesangsaufnahmen sein, dann können diese Trennwände eine sehr gute Lösung sein, um diese bei Bedarf um Dich und Dein Mikrofon aufzustellen. So kannst Du zumindest künstlich einen etwas optimaleren Raum innerhalb Deines eigentlichen Aufnahmezimmers erzeugen.

3. Wo innerhalb des Raumes solltest Du Dich und Dein Mikrofon platzieren?

Zuerst einmal ist es natürlich unerlässlich, dass Du in direkter Nähe zu Deinem Computer und Audio-Interface stehst, sofern Du dich alleine aufnehmen musst. Sich hierfür also in die andere Ecke eines Zimmers zu stellen, ist vom Handling und vom Arbeitsablauf her ein absoluter Nachteil und sollte auf jeden Fall vermieden werden. In der Regel wirst Du deinen Computer und Aufnahmeequipment auf einem Schreibtisch stehen haben und dieser sollte jederzeit von Deiner Position aus in maximal wenigen Schritten erreichbar sein.

Außerdem empfiehlt es sich niemals, dass sich während des Aufnehmens direkt vor oder hinter Dir ein Fenster befindet. Dies kann durch die harte Oberfläche wiederum für einen unschönen Klang sorgen. Ansonsten ziehe unbedingt Vorhänge vor das Fenster.

Im Optimalfall solltest Du möglichst parallel zum Fenster stehen.

Als grobe Richtlinie würde ich folgende Raumkonstellation empfehlen:

Du platzierst Dich etwa mittig im Raum. Vor Dir steht logischerweise Dein Tisch mit Deinem Computer und Aufnahemequipment. Hinter Dir befindet sich auf der anderen Seite des Zimmers ein Sofa/Bett. Auf der einen Parallelseite befindet sich nun das angesprochene Bücherregal bzw. das größere hölzerne Möbelstück. Auf der entsprechend gegenüberliegenden Parallelseite ist das Fenster mit den eventuellen Vorhängen. Mit dieser „Grundausstattung“ solltest Du auf jeden Fall schonmal in einem Zimmer mit Wohn-bzw. Schlafraummaßen gute Ergebnisse erzielen können. Wahlweise kann es sich auch lohnen, dass Sofa bzw. Bett mit dem Schrank/Regal zu tauschen und zu hören, inwieweit sich der Klang verändert.

Am Ende gilt es hier zu schauen und zu testen, welche Kombination mit Deinem Raum am besten harmoniert.

Ich hoffe, dass Du mit diesem abschließenden Beitragsteil einen ungefähren Überblick darüber bekommen hast, worauf Du bei der Akustik Deines Aufnahmeraums achten solltest und mit welchen Mitteln du die Gegebenheiten verbessern kannst.

Solltest du weiterführende Fragen oder Anliegen zu den heute besprochenen Themen haben, dann kontaktiere mich gerne und wir schauen gemeinsam, wie ich Dir eventuell dabei helfen kann.